Tierinformationen Allgemeine Themen Tierschutz News Tierberichte

Haltung von Kleinnagern Meerschweinchen und Zwergkaninchen, Zwerghasen
Dr. Stephan Braun

Zwergkaninchen und Meerschweinchen gehören wohl zu den beliebtesten Haustieren unserer Gesellschaft. Insbesondere für Kinder und in Haushaltungen mit eigenem Garten sind diese lieblichen und sehr interessanten Tiere immer häufiger anzutreffen. Die Haltung dieser Tiere verlangt jedoch von den Betreuerpersonen einiges an Kenntnis über deren bevorzugte Verhalten, wenn dem Anspruch einer artgerechten Haltung genüge getan werden will. 
 

Gefährlicher Sommer

In den jetzt zu erwartenden Sommermonaten bergen hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit etwelche Gefahren für Kaninchen, wenn sie nicht regelmässig gepflegt und kontrolliert werden. Besonders kränkliche Tiere, die vielleicht längere Zeit an ein und demselben Ort hocken, Tiere mit Verdauungsproblemen und feucht-verklebtem Hinterteil, mit Blasenentzündungen oder Scheidenausfluss infolge Gebärmutterentzündung sind gefährdet: die feuchten, von Körpersäften, Kot und Urin durchtränkten Ecken im Gehege oder Stall dieser Kleinnager sind ein beliebter Ort für allerlei Ungeziefer, ganz besonders Fliegen, ihre Eier darin abzulegen. Bei den herrschenden klimatischen Bedingungen entwickeln sich aus diesen Eiern in Windeseile Larven, im Volksmund Maden, welche sich schleunigst auf die Futtersuche begeben. Wir wissen alle, dass Maden eiweissreiche Nahrung bevorzugen, wie Käse oder Fleisch. Auch das feucht-warme Fell und der Geruch von entzündeter Haut zieht die Maden an. Und so bietet sich uns Tierärzten nicht selten dieser erschütternde Anblick: Schwache, teilnahmslose Tiere, die am Bauch oder am Hinterteil unzählige Maden im Fell tragen, oftmals sind sie schon daran, ihre Wirtstiere bei lebendigem Leibe anzufressen. Wir sind oft machtlos, weil wir viel zu spät aufgesucht werden und können diese armen Kreaturen meist nur noch erlösen. Es ist deshalb  besonders im Sommer äusserst wichtig, die Tiere regelmässig, ja täglich einmal auf den Arm zu nehmen und es von allen Seiten gut anzuschauen und zu streicheln. Gerade im Sommer, wo viele dieser lieblichen Tiere im Garten sein dürfen, wird diesem "wunden Punkt" zuwenig Beachtung geschenkt. Vielleicht sind wir in den Ferien und haben mit Mühe jemanden gefunden, der vielleicht bereit ist, jeden zweiten Tag einmal Futter zu bringen und einmal wöchentlich das Gehege oder den Stall auzumisten. Das kann ins Auge gehen! Es ist lebenswichtig, dass die Käfige und Freilaufgehege immer wieder und gründlich gereinigt und kontrolliert werden. Ebenso gehören Tiere mit verklebtem oder nassem und kotverschmiertem Fell schleunigst zum Tierarzt. Die Krankheit muss schnell behandelt werden damit sich kein Drama entwickelt.
 

Gemischte Haltung

Unter bestimmten Voraussetzungen spricht nichts gegen eine kombinierte Haltung von Kaninchen bzw. Zwergkaninchen und Meerschweinchen. Leider sind in den meisten Fällen diese Voraussetzungen nicht gegeben, sodass in der Mehrzahl aller Fälle dringend von einer kombinierten Haltung abgeraten werden muss. Die Bedingungen für ein bedenkenloses Miteinander sollen im Folgenden kurz geschildert werden: 

  • Von jeder der beiden Tierarten müssen mindestens zwei Tiere vorhanden sein, das heisst mindestens zwei Meerschweinchen plus zwei Kaninchen.
  • Die Tiere brauchen den eigenen Artgenossen dringend, um die Möglichkeit zu haben, sich mit ihm zu verständigen; denn Kaninchen und Meerschweinchen sind von ihrer Veranlagung her zu verschieden, als dass sie sich wirklich Partner sein könnten. 
  • Zwergkaninchen halten sich gerne an erhöhten Orten auf wie Wurzeln oder im Dachstock eines Hasenhäuschens, 
  • während das typische Fluchttier Meerschweinchen Erdhöhlen und ähnliche Schlupfwinkel aufsucht.
Bei Gemischthaltung muss also das Gehege beiden Tierarten gerecht werden: das Kaninchen muss die Möglichkeit haben, in die Höhe zu klettern und genügend Platz um seine Hoppel- und Hakensprünge ausführen zu können. Und dem Meerschweinchen müssen genügend Verstecke und Schlupfwinkel zur Verfügung stehen, damit es dem umherhüpfenden Kaninchen ausweichen und auch vor ihm die Flucht ergreifen kann.
 

Kein konventioneller Käfig

Ein konventioneller Käfig ist daher in keiner Weise geeignet, Kaninchen und Meerschweinchen einen idealen Lebensraum anzubieten. Wer die natürliche Bewegungsfreude und Schnelligkeit dieser Tiere beobachtet hat, welche auch in Gefangenschaft nicht verloren geht, der weiss, dass solch ein Käfig den Tieren niemals gerecht wird. Damit die Tiere ihr Naturell einigermassen ausleben können, brauchen sie eine Fläche, die man ihnen praktisch nur im Freien anbieten kann. Und zwar nicht nur im Sommer, denn bei korrekter Haltung und den geeigneten Massnahmen können auch Zwergkaninchen, wie Meerschweinchen, ganzjährig im Freien bleiben.
 

Gemischthaltung Einsamkeit beider Tiere

Bei der Gemischthaltung der beiden Arten in einer Wohnung kann wohl eine "nette" Beziehung zwischen den Tieren entstehen, aber an der Wurzel dieser Beziehung steht die grosse Einsamkeit beider Tiere, die einfach niemanden anderen haben, als den aufgezwungenen Lebenspartner, der den anderen mit seinen ihm eigenen, angeborenen Verhaltensweisen nicht wirklich versteht, aber auch gar nicht verstehen kann! Äusserlich betrachtet mag es ja "herzig" sein, wenn Kaninchen und Meerschweinchen einander ablecken und dicht bei- oder aufeinander liegen. Doch mit dem nötigen Abstand betrachtet, wird schnell klar, dass dies nur deshalb so ist, weil die Tiere auf zu engem Raum miteinander leben müssen.
 

neutrale Beratungsstelle aufsuchen

Es ist immer von Vorteil, sich vor dem Kauf von Tieren zwei Meinungen anzuhören und sich nicht nur beim Händler, sondern auch bei einer neutralen Beratungsstelle, die mit der Beratung keine Verkaufsabsichten verbindet, zu informieren. War der Händler ehrlich, macht er auch dann noch sein Geschäft, und man baut seine Zukunft als Tierhalter nicht auf dem Sand leerer Versprechungen, sondern auf dem Fels verlässlicher Informationen. War der Händler nicht ehrlich, hat man sich selbst und den Tieren viel Kummer erspart.

Mit frdl. Genehmigung des Autoren

Besucher