|
Dr. Stephan Braun Gestörte
Verhaltensweisen wie Agressivität, Hypersexualität, nächtelanges
Jaulen und Jammern zur Zeit, da die Weibchen läufig sind oder Streunen
beim Rüden werden öfters zum Anlass genommen, das Tier kastrieren
zu lassen. Dabei versteht man unter Kastration die chirurgische Entfernung
der Keimdrüsen, Eierstöcke beim Weibchen und Hoden beim Männchen;
damit ist der Begriff für beide Geschlechter zutreffend.
Verhaltensänderungen, Soziale Indikation Bezogen auf die Verhaltensweisen ist aber nur dann mit Erfolgen zu rechnen, wenn diese Verhaltensmuster auch über Geschlechtshormone gesteuert werden. Beim Rüden zählen hierzu primär motivierte Verhaltensweisen wie das unerwünschte Aufreiten, Harnmarkieren und Streunen, die in bis zu 90% der Fälle behoben oder doch markant vermindert werden können. Aggressive Verhaltensweisen sprechen beim Rüden unterschiedlich stark auf die Kastration an. Rangordnungsbezogene Probleme wie die Dominanzaggression bessern sich nur zum Teil nach einer Kastration. Dabei sind einige Faktoren von ausschlaggebendem Einfluss auf den Erfolg der chirurgischen Therapie: so das Alter bei der Operation, Rasse, Erziehung und die Fähigkeiten und Kenntnisse des Tierhalters. Generell ist der Erfolg durch den operativen Eingriff grösser, je früher er durchgeführt wird. Wenn die unerwünschte Verhaltensweise stark durch Geschlechtshormone gesteuert wird und dem Rüden keine Zeit gelassen wurde, das Verhaltensmuster zu etablieren, d.h. der Eingriff früh durchgeführt wird, dann kann mit einer Erfolgsquote von ca. 60% gerechnet werden. Beim erwachsenen Tier wird mit wesentlich geringerer Chance eine Besserung der Aggressionstendenz erreicht, wenn nicht begleitend verhaltenstherapeutische Massnahmen ergriffen werden. Der Effekt der Operation auf geschlechtsspezifische Verhaltensweisen tritt in der Regel relativ rasch, d.h. innert weniger Wochen in Erscheinung, wohingegen aggressionsmindernde Veränderungen erst sechs bis neun Monate nach dem Eingriff bemerkbar werden. Medizinische Indikationen Neben diesen «sozialen"» Indikationen für eine Kastration, welche insbesondere einen Einfluss auf das Zusammenleben des Hundes mit Artgenossen und Menschen beabsichtigen, liegen oft auch medizinische Gründe vor, welche eine Operation nötig machen. Hodentumoren, Prostataerkrankungen, Hodenentzündungen und Hoden, welche im Bauchraum verblieben sind, veranlassen uns, eine Kastration dringend zu empfehlen. In diesen Fällen dient die Entfernung der Hoden der Wiederherstellung oder der Erhaltung der Gesundheit des Patienten. Ein angenehmer Nebeneffekt der Kastration bei Rüden ist das meist schlagartige und vollständige Verschwinden des Ausflusses von klebrigem, eitrigen Vorhautsekret. Die Frage, wann eine Kastration durchgeführt werden soll, ist mit diesen Erläuterungen hinreichend erklärt. Aus der Sicht des Anästhesisten steht mit den heutigen Narkose- und Überwachungstechniken auch einer Operation im hohen Alter nichts im Wege. *** Die Kastration der Rüden: ein vielfach durchgeführter, risikoarmer Eingriff, welcher eine grosse Zahl von erwünschten Wirkungen nach sich zieht. Die oftmals ins Feld geführte Gewichtszunahme ist einzig und alleine der Art der Haltung nach der Operation zuzuschreiben. Nur ein Überangebot von Nährstoffen und ein Mangel an Bewegung führt zur Fettleibigkeit bei gesunden Tieren. Will der Hundebesitzer diese befürchtete Fettleibigkeit vermeiden, so hat er alle Mittel dazu in der eigenen Hand und es steht ihm der fachmännische Rat des Tierarztes und zugleich Ernährungsspezialisten zur Verfügung. Mit frdl. Genehmigung des Autoren
|