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Trotz Zweifel ist Kastration wichtig
Prof. Dr. med. vet. Yair Schiftan

Unser fünfjähriger Rüde, ein Gordon Setter, ist seit etwas mehr als einem Jahr bei uns. Eigentlich haben wir keine grossen Probleme, besuchen auch eine Hundeschule und arbeiten täglich mit ihm. Nur, wenn die Weibchen in der Umgebung läufig werden, kennt er nichts und haut einfach ab. Nach maximal einer Stunde kehrt er wieder zurück. Dies wiederholt sich, wann immer er Gelegenheit dazu findet, bis die Zeit der Weibchen vorbei ist. Es gibt auch Zeiten, wo er sich mit Rüden gerne balgt. Nun haben wir uns fast dazu entschieden, den Rüden doch zu kastrieren, damit die Streunerei ein Ende findet. Nur befürchte ich, dass durch die Kastration sein wirklich wunderschönes Fell stumpf wird. N.N.

Die Kastration eines Tieres ist häufig mit Emotionen und Zweifeln von Seiten des Besitzers verbunden. Das häufigste Argument, das zu hören ist: «Dürfen wir dem Tier das antun, was wir uns nicht antun würden?»

Es ist nicht nur eine tierschützerische, sondern auch eine philosophische Frage, mit welchem Recht wir das Schicksal der uns anvertrauten Tiere bestimmen und verändern. Eine extreme und konsequente Antwort darauf wäre ein Leben in vollständiger Askese ohne Interaktionen mit der lebendigen Umwelt. Da wir aber ein Teil der Evolution und der biologischen Bestimmung sind, leben wir in einer Koexistenz mit anderen Lebewesen. Die Koexistenz bedeutet auch «Fressen und Gefressen werden». Damit diese Koexistenz für beide Teile erfolgreich verläuft, braucht es Eingriffe, wie zum Beispiel die Kastration.So bleibt der Hund um das Haus und verunfallt nicht.

Zum praktischen Teil: Ja, eine Kastration empfiehlt sich. Ein Gordon Setter riskiert, nach der Kastration ein Babyfell zu bekommen. Auch eine gewisse Zunahme an Gewicht mit Veränderung des Aussehens ist zu erwarten, da die Fettverteilung bei kastrierten Tieren anders funktioniert.

Eine übertriebene Gewichtszunahme kann mit konsequenter Fütterung vermieden werden. Das Tier ist weniger aggressiv und hat einen schwächeren Geschlechtstrieb, da sich das Testosteron, das mehrheitlich in den Hoden produziert wird, durch die Kastration wesentlich vermindert. Eine nicht chirurgische Kastration mittels hormoneller Spritze wäre ebenfalls möglich.

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren