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Mein Hund erbricht bei Autofahrt
Prof. Dr. Yair Schiftan

Ich habe seit 3 Wochen eine ca. 6 Monate junge Retriever-Mix Hündin. Sie ist
der perfekte Hund und lernt enorm schnell. Allerdings haßt sie Auto fahren.
Anfangs ging es noch, d.h. sie hat sich erst auf dem Rückweg übergeben. Es
wird aber immer schlimmer: Ich bin noch keine 3 Meter gefahren, da läuft ihr
schon der Schleim aus den Mundwinkeln und dann dauert es auch nicht lange
bis sie würgt und bricht. Sie tut mir so leid

Normalerweise freut sich ein Hund wenn man den Kofferraum aufmacht um ihn
rauszuholen. Aber sie sitzt mit Schleimfäden da und schaut mich unterwürfig
an (Ohren zurück und geduckt). Als ob ich sie dafür bestrafen würde, das
habe ich noch nie getan, eher getröstet. Da ich sie aus dem Tierheim habe,
kenne ich auch ihre Vorgeschichte nicht.

Kann es sein das sie ein Trauma mit Autos hat?
Das Tierheim hat mir geraten vor Fahrten ihr nichts zu fressen zu geben oder
Beruhigungstropfen. Aber ich kann ihr doch bis abends das Futter verwehren
oder ihr jedesmal Tropfen geben!

Ein brechender Hund im Auto ist für keinen ein grosses Vergnügen. Der Hund leidet und der Besitzer muss putzen. Heute verlangen wir von unseren Hunden auch ein technologisch fortschrittliches Verhalten, obwohl die Natur den Gleichgewichtssinn anders geschaffen hat. Das Erbrechen bei Autofahren entsteht durch widersprüchliche Informationen, die das Gehirn erreichen. Obwohl der Körper sich an und für sich nicht bewegt registrieren die Kanalbögen im Innenohr eine Beschleunigung, die nicht mit der normalen Geschwindigkeit, die man beim Rennen hat nicht vergleichbar ist. Ähnliche Phänomene kennen wir bei Menschen als Seekrankheit oder das Erbrechen in die Tüte in Flugzeugen. Ein Hund muss tatsächlich an die Autofahrt langsam gewöhnt werden, vergleichbar mit Pilotentraining.

Es braucht viel Geduld und Liebe dafür auf beiden Seiten.

  1. Zuerst müssen wir den Reflex der Konditionierung entkraften: Auto = Erbrechen. Versuchen Sie ohne fahren den Hund ins Auto zu locken, ihn drinnen belohnen mit Hundebiskuits und Streicheleinheiten. Wiederholen Sie das täglich ca. zweimal und über mehrere Tage.
  2. Nächster Schritt: Auto anlassen und mehrere Meter fahren, danach aussteigen und den Hund ausgiebig belohnen.
  3. Die Fahrdistanzen allmählich vergrössern und immer am Ende der Fahrt belohnen.
  4. Bevor Sie mit der Übung anfangen den Hund zuhause an eine Musik gewöhnen bei der Sie ihn zuhause belohnen. Das gleiche Musikstück dann im Auto immer abspielen.
  5. Sollten Sie nach 2-3 Wochen keinen Erfolg haben sollten Sie mit ihrem Tierarzt an ein Beruhigungsmittel und Brechreiz milderndes Medikament denken.

***

Mein Hund Idefix, heute 2-jährig,  hat ein ähnliches Problem gehabt. Heute passiert es ihm noch aber sehr selten und deshalb habe ich für alle Fälle einen  Plastiküberzug für den Sitz.

Schimpfen oder Bestrafen vergrössern nur den Stress für den Hund und können als negative Verstärkung die unerwünschten Phänomene nur verankern. Deshalb ist es besser durch positive Verstärkung in Form von Belohnung die Reflexe umzupolen. 

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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