Mit
Dressurgeräten Hunde quälen?
Christine
Krättli
Seit
rund einem Jahr besitze ich einen nun zweijährigen Hund, den ich von
einem schlechten Platz übernommen habe. Anfangs konnte ich mir beliebig
viel Zeit für den neuen Hausbewohner nehmen. Das genoss er besonders,
denn er bekundet grosse Mühe, wenn er allein sein muss. Dann heult
und bellt er fast ununterbrochen. Seit einiger Zeit arbeite ich hin und
wieder halbtags. Damit mein Vierbeiner gut versorgt wird, habe ich ihn
in eine Tierpension gebracht, wo man ihn und sein «Schwäche»
bereits seit langem kennt. Als ich nach einem etwas längeren Arbeitseinsatz
meinen kleinen Freund abholte, trug er ein Gerät am Hals, das nach
Aussage der Hundepensionsleiterin unnötiges Bellen verhindert. Ist
das nicht grausam? Sind solche Geräte überhaupt erlaubt?
(Fragestellerin
und Tierheim der Redaktion bekannt)
In
Artikel 34 der Tierschutzverordnung über den Umgang mit Hunden heisst
es: «Der Einsatz von Geräten, die elektrisieren oder akustische
Signale aussenden oder mittels chemischer Stoffe wirken, ist verboten,
ausgenommen sind Dressurpfeifen und der fachgerechte Einsatz von Umzäunungssystemen.
Auf Gesuch kann die kantonale Behörde Personen, die sich über
die notwendigen Fähigkeiten ausweisen, die Verwendung von Geräten
nach Absatz 3 ausnahmsweise zu therapeutischen Zwecken bewilligen.»
Verboten wurden diese Geräte, weil ihr Einsatz nicht tiergerecht ist
und verhindert werden soll, dass Hundehalter ihre Tiere nicht einfach auf
Knopfdruck erziehen.
Wie
vor allem Ultraschall-Hundeabwehrgeräte wirken, habe ich mit einer
Forschungsarbeit zuhanden des bekannten Verhaltensforschers Dr. Dennis
C. Turner an fast 150 Hunden aller Rassen und Grössen untersucht.
Das Ergebnis erstaunte: Der Einsatz der erwähnten Geräte bewirkte
von Verhaltensstörungen bei rund 50 Prozent der Tiere bis zu gesundheitlichen
Schäden. In jedem Fall wird ein Hund psychisch belastet, weil er nicht
weiss, wofür er bestraft wird.
Aus
therapeutischen Gründen setzt ein Fachmann ein technisches Gerät,
z.B. Teletact, Bellstopp, Dazer usw., nur dann ein, wenn beispielsweise
das Angriffs- und Aggressionsverhalten auf Personen und andere Tiere
und ein übermässiger Jagdtrieb durch andere Erziehungsmethoden
keinen Erfolg zeitigt.
In
Ihrem speziellen Fall müsste der Hund in kleinen Schritten an das
Alleinsein gewöhnt werden. Den genauen Ablauf dieser Therapie zu erklären,
würde den Rahmen dieser Rubrik sprengen. Bitten Sie die Leiterin der
Tierpension, das erwähnte Hundedressurgerät nicht mehr zu verwenden.
Vielleicht finden Sie eine vertraute Person, der Sie in Ihrer Abwesenheit
Ihren kleinen Freund anvertrauen können. An einem solchen Platz kann
die Therapie der kleinen Schritte ebenfalls angewendet werden.
Mit
frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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