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Tierverhalten vererbt oder angelernt? Aggressive Hunde
Dr. Yair Schiftan

Kampfhunde ­ ein Thema ohne Ende. Ich werde oft gefragt, wie es so weit kommen könne, dass ein Hund derart aggressiv werde. Was muss man alles machen, damit aus einem süssen, wehrlosen Welpen ein zähnefletschender Angreifer wird? In welchem Grade ist die Natur, die Genetik der Rasse oder die Erziehung daran schuld? 

Die Entwicklungsbiologie verteilt die Verantwortung in zwei fast gleiche Hälften. Die Gene zu 50 Prozent und die Erziehung zu 50 Prozent tragen dazu bei, dass ein Hund zu einer aggressiven Bestie wird. Nun ist es so, dass der Mensch, oder wollen wir sagen die aggressive Bestie in ihm, sowohl durch die Zucht für die Auswahl der Hunde wie für deren Erziehung zuständig ist und somit auch die hundertprozentige Verantwortung und damit die Schuld für etwaige Auswüchse trägt.

Ein normaler, gesunder Welpe sollte so lange wie möglich, rund drei Monate, bei seiner Hundemutter und den Geschwistern bleiben. Die Prägung, das Lernen und das hündische Savoir-vivre finden in der Zeit nach der Geburt statt. Der Welpe in seiner Hundefamilie lernt die Spiel- und Beissregeln und weiss, was er darf. Seine Selbstsicherheit wächst und verfestigt sich mit der Zeit, die er in der Familie verbringt. Danach ist er im Stande, sein «Wissen» auf die Tier-Mensch-Beziehung zu übertragen. Hat er eine freundliche, konsequente Menschen-Begegnung erfahren, wird er auch den Menschen freundlich in sein Rudel aufnehmen. 

Dem ist natürlich nicht so, wenn diese Charakter-Struktur gezielt durch Training der Aggressionen zerstört wird, die Beisshemmung beseitigt sowie die Sozialisationsprozesse zerrissen werden. Ein solcher Hund hat eine sehr tiefe Toleranzschwelle, und die Aggression ist für ihn die einzige adäquate Antwort.

Zudem ist es sehr wichtig, die Zuchtstätte, die Hundefamilie und den Züchter anzuschauen. Das Verhalten der Hundemutter den Menschen als auch den Welpen gegenüber kann bereits ein Warnsignal sein. Der Gesundheits- und Ernährungszustand, aber auch die Umgangssprache des Züchters sind wichtig. Auch unsere Lieblinge können durch gestörte Verhältnisse in ihrer Kindheit ängstlich, depressiv oder aggressiv werden.

Deshalb: Schauen Sie sich beim Kauf eines Hundes seine nächste Umgebung, die Menschen, die Tiere und die Hygiene gut an, sonst kaufen Sie womöglich einen «Kampfhund» im Sack!

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
 

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