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Der Hund im Wald unser Freund - ihr Feind
Fabienne Würth

Jagdtrieb in jedem Hund

«Zum Leidwesen der Wildtiere ist vielen Hundehaltern nicht bewusst, dass auch ihr Hund eine Gefahr darstellt», weiss der Wildhüter. «Man geht immer davon aus, dass der liebe und treue Freund niemandem ein Haar krümmen würde. Meistens sind es immer die anderen Hunde, die man fähig für solches hält.» Der eigene Hund sei aber für die Wildtiere genauso eine Gefahr wie der Hund des Nachbarn.

Im Frühling zur Setzzeit (Gebärzeit)

«Im Frühling ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Hundebesitzer ihre vierbeinigen Freunde im Wald und an den Waldrändern an die Leine nehmen», sagt Robert Walser, Obmann der Jagdgesellschaft Jona (Kanton St. Gallen, Schweiz) und Wildhüter. Dies zum Schutz für die zahlreichen Jungtiere, die im Frühjahr in den Wäldern geboren werden und aufwachsen. Von Anfang Mai bis Ende Juli gefährden frei laufende Hunde den Nachwuchs.

«Oft geht vergessen, dass jeder Hund ein Jagdtier ist. Der Besitzer kennt seinen Hund als ein normalerweise folgsames und gutmütiges Tier und denkt gar nicht daran, dass auch dieser Hund einen Jagd- oder Spieltrieb hat», erzählt Robert Walser. Wenn ein aufgescheuchtes Reh davonrenne, verfolge jeder Hund instinktiv das fliehende Tier, sei es wegen seines Spieltriebes oder seiner Jagdlust.

Robert Walser weist speziell auf die Problematik zwischen Hund und Rehkitz hin. «Wenn ein Hund ein Rehkitz aufstöbert, kann es sein, dass er mit ihm nur spielen will.» Das Rehkitz aber fühlt sich vom Hund bedroht. Zuerst versucht das Reh sich klein zu machen und kauert sich in den Waldboden hinein. Beschnuppert der Hund das Jungtier intensiv, hinterlässt er neue Duftspuren, und das Muttertier nimmt das Junge nicht mehr an. Lässt der Hund nicht von dem Kitz ab, rennt dieses instinktiv davon. Da der Körper des Kitzes noch nicht ausgewachsen ist, strengt ihn dieser Fluchtversuch derart an, dass es an einem Herzschlag sterben kann. 

Erst kürzlich habe sich ein erstaunter Hundebesitzer bei ihm gemeldet, dessen Hund ein Reh gerissen habe, erinnert sich der Wildhüter. «Oft bemerkt das Herrchen oder Frauchen nichts vom Treiben des Hundes, da sie auf den Waldwegen spazieren und dem Hund nicht ins Gehölz folgen.» Meist komme man nicht auf die Idee, dass der Hund ein Wildtier gejagt oder erlegt habe. Niemand glaube, dass der eigene Hund zu so etwas fähig sei, erklärt er weiter. 

Robert Walser, der selber einen Hund hat, versteht die Hundebesitzer nur zu gut. Aus diesem Grund verzichten er und andere Jäger darauf, jagende Hunde abzuschiessen - was von Gesetzes wegen (Schweiz) eigentlich erlaubt wäre. Er weist aber darauf hin, dass der Hundehalter mit einer Verzeigung und einer Geldbusse zu rechnen hat, wenn sein Hund mehrmals beim Jagen erwischt wird. Bei einer Verzeigung ist es möglich, dass dem Hund ein lebenslanger Leinen- und Maulkorbzwang auferlegt wird.
 

Ergäzender Artikel über Hund und Wald
Hunde im Wald an die Leine, SOS Tiere

Allgemeine Problematik Tierschutz der Wildtiere
Ruhebedürftiger Nachwuchs im Wald, F.W.

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Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Linth»

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