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Der Schweizerische Bauernverband will, um das Rindfleischangebot zu verringern, 15'000 erst wenige Wochen alte Kälbchen als sogenannte Wurstkälber schlachten. Der Schweizer Tierschutz STS ist schockiert über diese ethisch höchst fragwürdige Marktlenkungsmassnahme. Seit geraumer Zeit herrscht auf dem Rindfleischsektor ein Ueberangebot aus konventioneller Haltung. Bei Labeltieren aus tierfreundlicher Haltung besteht hingegen nach Infostand des STS (zB Mutterkuhhaltungsorganisation SVAMH, Migros M7-Programm) eine gute Nachfrage. Als Massnahme zur Marktsanierung beim konventionellen Rindfleisch propagiert der Bauernverband nun die konsequente Schlachtung von Babykälbern mit 75 kg Lebendgewicht. Getötet werden sollen Kälber von stark milchbetonten Rassen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung zu wenig starkem Fleischwachstum neigen. Die Jungtiere sollen in den Monaten Dezember und Januar nicht aufgezogen, sondern in einer "Wurstkälberschlachtaktion" aus dem Markt genommen werden. *** Nach Meinung des STS ist diese Art der Marktsanierung ethisch höchst fragwürdig. Muttertiere werden dem Stress der Schwangerschaft und der Geburt ausgesetzt, nur um das Kälbchen nachher innert weniger Wochen zu töten. Da die halbstaatliche, vom Bund unterstützte Fleischorganisation Proviande es nicht schafft, den Fleischmarkt in Ordnung zu bringen, müssen nun wohl Tausende von Babykälbchen geopfert werden, um den Rindfleischberg abzubauen. Wenn es nach dem Willen der Agrarlobby geht, soll für diese Aktion auch noch der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. So hat der Bauernverband offenbar bereits beim Bund für entsprechende Subventionen nachgefragt. *** Das Ueberschussproblem ist hausgemacht und darf jetzt nicht auf dem Buckel der Tiere und der Steuerzahler gelöst werden sagt Hansueli Huber, Geschäftsführer Fachbereich des Schweizer Tierschutz STS zu bedenken. Er ortet das Problem u.a. bei den konventionellen Mästern, die ihre Munis oft alles andere als tierfreundlich halten. Den bis zu 500 kg schweren Tieren stehen lediglich 2.5 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Sie haben weder einen mit Stroh eingestreuten Ruheplatz noch Auslauf ins Freie; sie verbringen ihr ganzes Leben in einer engen Bucht auf einem perforierten Betonboden. Die KonsumentInnen sind immer weniger bereit, solche Tierhaltungen zu unterstützen, hält Hansueli Huber fest. Im Gegensatz dazu haben Bauern mit tierfreundlicher Rindermast kaum Absatz- oder Preissorgen. *** Es könnte zur (schlechten) Gewohnheit auch bei andern Nutztieren werden Nach Meinung des STS könnte aus dieser bislang einzigartigen "Ausmerzaktion" von Kälbern bald auch aus einem anderen Grund Gewohnheit in Schweizer Ställen werden. Die einseitige Zucht auf maximale Milchleistung wird in Zukunft vermehrt dazu führen, dass sich die Aufzucht männlicher Tiere der einseitigen Milchrassen wegen ungenügendem Fleischansatzvermögen gar nicht mehr lohnt. Das Beispiel der Legehühnerrassen zeigt es vor. Seit Jahren werden die männlichen Küken gleich nach der Geburt getötet, ausgemerzt. Ihre Aufzucht rentiert nicht. Wenn es nach dem Willen der Proviande geht, könnte dies auch bald in Kuhställen soweit sein. Das
zarte Fleisch aus der "Wurstkälberschlachtaktion" wird gemäss
Proviande bis zum Start der nächsten Grill-saison eingelagert.
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