|
Tierinformationen
Katzen
Tierschutz
News Tierberichte
Dr. Stephan Braun Unerwünschtes Verhalten von Heimtieren kann für Tierhalter frustrierend sein. Katzen, die im Haus Kot absetzen und urinieren, also das Kistchen nicht benützen, zeigen ein ernst zu nehmendes Verhaltensproblem. Gemäss Angaben der American Animal Hospital Association werden jedes Jahr mehr Katzen und Hunde infolge eines Verhaltensproblems eingeschläfert, als aus medizinischen Gründen. Haustierbesitzer werden durch ihr Unvermögen, das Verhalten ihrer Tiere zu ändern oder zu kontrollieren frustriert, und nur all zu oft endet es beim Einschläfern. Die
Verunreinigung der Wohnung ist die häufigste Verhaltensstörung,
mit der Katzenbesitzer sich auseinandersetzen müssen. Obwohl das Problem
schwerwiegend ist, gibt es einen grundlegenden Ansatz, welcher Tierbesitzern
und ihren Tierärzten helfen kann, das Problem gemeinsam zu lösen.
Markieren ist charakterisiert durch das Harnspritzen an vertikale Objekte. Dabei wird der zitternde Schwanz in aufrechter Position gehalten. Sowohl Weibchen als auch Männchen, kastriert oder unkastriert können dieses Verhalten zeigen. Als «Unsauberkeit» bezeichnet man das Absetzen von Kot und Harn in der Wohnung, ausserhalb des Katzenkistchens. Bevor man an die Behandlung des Verhaltensproblems geht, sollte ein Kleintierarzt konsultiert werden. Es muss zuerst abgeklärt werden, ob dem abnormen Verhalten ein medizinisches Problem zugrunde liegt, eine Erkrankung der unteren Harnwege oder der Harnblase. Erst wenn die Katze von diesen Beschwerden befreit ist können wir beginnen, die verschiedenen Stimuli zu erforschen, welche für das Problem verantwortlich sein könnten. Unsauberkeit kann verursacht werden durch zu seltenes oder zu häufiges Säubern des Katzenklos, durch den Geruch des Reinigungsmittels, mit welchem das Kistli gereinigt wird, das Verwenden eines anderen Katzensandes, das Verwenden eines anderen Kistli-Modells, die Assoziation einer negativen Erfahrung mit der Kistli-Benützung (Kinder, die auf den Deckel klopfen, währen die Katze ihr Geschäft verrichten will, z.B.) oder auch die Verwendung einer geschlossener Kiste mit Deckel. Jede dieser möglichen Ursachen muss nacheinander beseitigt werden, damit die Katze wieder lernen kann, das Kistchen zu benützen. Beim Harnspritzen oder Markieren, meist an Türen, Möbeln oder an einer Wand ausgeführt, liegt die Ursache in der Regel in einer psychischen Notlage. Ob eine Katze zu markieren beginnt, hängt individuell vom Charakter, der Veranlagung und auch vom Hormonstatus ab. Aus der Umgebung des Tieres haben z.B. die folgenden Umstände einen Einfluss auf das Auftreten dieser Verhaltensstörung: eine neue Katze im Haushalt, das Wegziehen eines Familienmitgliedes aus der Wohnung, die Anwesenheit eines neuen Lebenspartners des Tierhalters, eine neue Katze in der Nachbarschaft, welche vielleicht aus dem 3. Stock nur optisch wahrgenommen werden kann, das Unstellen der Möbel, die Verwendung eines neuen Reinigungsmittels in der Wohnung usw. Bei der Behandlung des Problems wird der Therapeut zwischen zwei grundsätzlichen Wegen wählen müssen: erstens über das Prinzip der Fernbestrafung, wo die Katze beim Ansetzen zum unerwünschten Verhalten eine unangenehme Erfahrung macht, ohne diese mit einer Person in Verbindung zu bringen. Zweitens, indem versucht wird, dem Ort, an dem die Katze mit Harn markiert, eine neue Bedeutung zu geben. Damit diese Methoden im Detail besprochen und auch angewendet werden können, sollte ein Verhaltenstherapeut oder ein in diesem Gebiet spezialisierter Tierarzt konsultiert werden. Bei beiden Methoden ist der Erfolg grundsätzlich besser, wenn gleichzeitig das auslösende Moment erkannt und wenn möglich behoben wurde. Dass Katzen so unglaublich sensibel auf gewisse Gegebenheiten reagieren können, z.B. wenn der/die KatzenbesitzerIn trauert, macht sie so liebenswert. Gleichzeitig sind Katzen durch diese Eigenart aber auch anfälliger für die Entwicklung von Übersprungshandlungen oder auch unerwünschtem Verhalten. Sie zeigen uns mit dem Harnspritzen ja nur, dass sie mit einer Situation nicht fertig werden. Es liegt an uns Katzenliebhabern, diese Not als solche zu erkennen und ihr mit dem nötigen Verständnis zu begegnen. Dann sind auch die Voraussetzungen optimal, zusammen mit einem gut ausgebildeten Tierpsychologen oder Verhaltenstherapeuten, das Problem zu lösen. Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Zürcher-Oberländer»
|