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Bellen und Krähen sorgen für blanke Nerven
Christine Krättli

Ein Hahn im Gommiswald SG stört, weil er angeblich zu früh oder zu Unzeiten kräht;
ein Bewohner von Rüti ZH kämpft bis zum Obergericht gegen das Quaken von Fröschen; 
Nachbarn in verschiedenen Quartieren drohen mit der Polizei, weil ein Hund angeblich zu Unzeiten bellt;
ein Neuzuzüger in Rieden SG zieht eine Klage wegen Kuhglockengebimmel beinahe bis vors Bundesgericht.

Katzen stören, weil sie in fremden Gärten spazieren und laut etlichen Klagen Blumen- und Gemüsebeete zerstören. Solche und ähnliche Klagen bekomme ich immer wieder zu hören.

Wie empfindlich ist der Mensch geworden! Dürfen sich bald Tiere nicht mehr wie Tiere verhalten? Also dürfen Hunde nicht mehr bellen, Frösche nicht mehr quaken, Vögel nicht mehr singen und Hähne nicht mehr krähen? Sind wir Menschen tatsächlich so weit, dass wir Natur und Tiere nur noch dann akzeptieren, wenn sie unseren Vorstellungen genau entsprechen? Sind Tiere nur dann genehm, wenn sie nach Stundenplan und Bewilligung bellen, miauen, krähen, quaken und singen?

Die gleichen Mitmenschen, die sich über tierischen Lärm aufregen,
tolerieren offensichtlich jeden anderen Lärm.

So setzen sich die Bewohner in den gleichen Quartieren, aus denen Klagen über Katzen, Hunde und anderes Getier laut werden, vehement für anderen Lärm ein. Etwa für den wöchentlichen «Gesang» der Rasenmäher, besonders für samstagnachmittägliche Auftritte. Oder etwa für originelles Feuerwerk anlässlich Onkel Heiris Namenstag und laute Gartenpartys bis morgens früh ­ auch das wegen irgend eines bedeutungsvollen Fürzchens irgendeiner oder irgendeinem von da oder irgendwo.

Wer regt sich schon stark auf, wenn nachts um Viertel nach drei ein 19-türiger Kleinwagen mit sanftem Gebrumme und coolem Sound aus dem Quartier speedet?

Vor nicht all zu langer Zeit beklagte sich im Radio ein Schriftsteller, in den wilden Reben, die seine Dichterklause umrankten, würden ständig Vögel zwitschern und ihn deshalb in seiner musischen Tätigkeit stören. 

Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, über Lärm im Allgemeinen und im Besonderen?
Sind wir tatsächlich so weit gekommen, dass wir die Klänge aus der Natur- und Tierwelt nicht mehr ertragen? Wäre da nicht etwas mehr Toleranz angesagt?

Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
 

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