Todesfallen für
Amphibien
Christine Krättli
Ich befahre öfters
das Strässchen zwischen Vordergoldingen und Ernteschwil. Zu meinem
Entsetzen haben sich dort auf dem Weg Dutzende von überfahrenen Fröschen
und Kröten befunden. Aus mir unerklärlichen Gründen wird
genau dort, d. h. am Waldrand, die Strasse auf einer Seite mit Brettern
so abgegrenzt, dass die Amphibien von der Strasse nicht auf die Wiese gelangen
können. Kann man dort wirklich nichts zugunsten der Amphibien ändern?
Herr B. Goldingen
Nach Ihrem Telefonanruf
habe ich mich sofort mit dem Tierschutzbeauftragten der Gemeinde St. Gallenkappel
und dem Gemeindepräsidenten in Verbindung gesetzt. Die von Ihnen beschriebenen
Bretter am erwähnten Strassenrand schützen laut behördlicher
Auskunft die Trinkwasserfassung der Gemeinden Goldingen, St. Gallenkappel
und Eschenbach. Diese einfache Einrichtung entlang dieses Verbindungssträsschens
wurde vom Amt für Gewässerschutz vorgeschrieben.
Trotz eindeutiger Vorschriften
liess die Gemeindebehörde von St. Gallenkappel dem Amtsschimmel auch
nicht eine Sekunde lang wiehern und setzte sich für Ihr Anliegen zugunsten
der Frösche und Kröten unbürokratisch und sofort ein. Als
Erstes rettete Bauchef Lorenz Müller die gefährdeten Tiere, indem
er sie über das Hindernis trug. Bereits am Tag darauf bewilligte das
Amt für Gewässerschutz das vorübergehende Enfernen einiger
Bretter. Zudem betreut nun der Bauamtschef den Laichzug, weshalb er morgens
und abends kontrolliert, ob alle Laichwanderer den richtigen Weg finden
- andernfalls hilft er ihnen.
Für diesen ausserordentlichen
Einsatz zugunsten der gefährdeten Kreatur winde ich dem Bauamtschef
und seinem Vorgesetzten, nämlich dem Gemeindepräsidenten Heribert
Hubatka, ein Kränzchen.
*****
Meine Tochter kam kürzlich
aufgeregt zu mir und erzählte, zwischen Bürg und Siessenhöhe
seien Dutzende von Kröten und Fröschen überfahren worden.
Bis gegen Mittag seien die Tierkadaver jeweils weggeräumt, aber am
folgenden Morgen sei die Strasse wiederum von Tierkadavern belegt. Kann
man denn dieses Tiersterben nicht aufhalten?
Frau E. Bürg
Bitte melden Sie Ihre
Beobachtungen dem Naturschutzbeauftragten der Gemeinde Eschenbach. Vielleicht
kann dann auf diesem Strassenabschnitt im kommenden Jahr ein Amphibienschutzzaun
erstellt werden. Vielleicht startet jemand in der Gemeinde einen Aufruf
zugunsten der "Gümperlis" und findet einige "Verkehrskadetten", die
den "Gümperlis" über die Strasse helfen und dabei das "grossartige
Naturschauspiel" bewundern möchten.
In den meisten Gemeinden
des Linthgebietes bemühen sich Tierfreunde seit Jahren mit grossem
Engagement und ohne viel Aufhebens in den Medien, den vom Aussterben bedrohten
und daher geschützten Kröten und Fröschen auf ihrer Laichwanderung
zu helfen.
Wichtig zu wissen ist,
dass Bund und Kanton die Aufwendungen wie die Anschaffung eines Amphibienschutzzaunes
und den Arbeitsaufwand grosszügig subventionieren. Natürlich
ist die Arbeit jedes Frühjahr und bei jedem Wetter tagtäglich
auszuführen.
Allen Tier- und Naturfreunden
wünsche ich, dass ihre Bemühungen von den Gemeindebehörden
geschätzt und unterstützt werden, was meines Wissens auch in
fast allen Gemeinden tatsächlich erfolgt.
Mit frdl. Genehmigung
der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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