Flöhe Entwicklung, Abwehr bei Haustieren - kleine Hüpfer ganz gross
Dr.
Stephan Braun
Bereits
seit 50 Millionen Jahren tummeln sich Flöhe nunmehr auf der Erde.
Zunächst auf Dinosauriern, einige Millionen Jahre später auch
auf Menschen. Erstmals wurden sie bei Herodot erwähnt, dem griechischen
Geschichtsschreiber im 7. Jahrhundert. v. Chr. Seither blieb ihnen bis
heute reichlich Zeit, ihre Lebens- und Überlebensstrategie immer weiter
zu verbessern.
Nach
Herodot waren es römische Satiriker, die den Floh in boshaften Witzen
als Beweis für die spärliche Körperpflege der Germanen und
anderer Barbaren anführten. Handschriftliche Überlieferungen
aus dem Kloster St. Gallen beweisen: bis zum Mittelalter hat sich in dieser
Hinsicht nicht viel geändert. Im Gegenteil, inzwischen war der Floh
zu einer richtiggehenden Plage geworden.
Und
er war auch - was man damals noch nicht wusste - der Überträger
der Pest, die, zB im Mittelalter von Genua ausgehend, Hunderttausenden
von Menschen das Leben kostete. Selbst am Hofe des revolutionären
Frankreich war der Floh ein häufiger Gast. Was Molière und
Voltaire zu Recht und nicht ohne Spott auf den sich zwar reichlich pudernden,
aber nicht waschenden Hofadel zurückführten. Eine Tatsache, der
später im berühmten Flohlied des Mephistoteles aus Goethes Faust
ein literarisches Denkmal gesetzt wurde.
Mit
den Schiffen der Kolonialmächte erreichte ein ganz wichtiger Floh
Europa, der in seiner Heimat an und für sich afrikanische Grosskatzen
bevorzugte. Dieser Katzenfloh, Ctenocephalides felis, ist heute derjenige,
der am häufigsten vorkommt und weltweit auf Hunden und Katzen zu finden
ist.
Menschen
und Haustiere mögen es gerne behaglich. Aus diesen Gründen liegen
in ihren Wohnungen oft Teppiche und Läufer, laden Polstersofas und
Sessel zum gemütliche Sitzen ein, sorgt eine Zentralheizung für
wohldosierte Wärme. Ein kleines Paradies - leider auch für Flöhe
und deren Nachwuchs. Denn wenn Eier aus dem Fell von Hunden oder Katzen
auf den Boden fallen, finden sie geradezu perfekte Bedingungen für
ihre weitere Entwicklung vor.
In
engen Spalten, unter der Sockelleiste, zwischen den Polstern und im dichten
Teppich gedeihen sie prächtig. Die Eier entwickeln sich da zu Larven
weiter und verpuppen sich dann, bis ein geeignetes Wirtstier durch seine
Nähe das Schlüpfen auslöst. Dass die erwachsenen Flöhe
bei Hund und Katze heftigen Juckreiz auslösen, wissen wir alle. Dass
sie aber auch Bandwürmer übertragen und nicht selten eine Floh-Speichel-Allergie
verursachen, ist weniger bekannt aber schlimm genug.
Darüber
hinaus kann es aber auch durchaus passieren, dass ein Floh sich für
Herrchen oder Frauchen selber entscheidet. Damit kann die freundschaftlich-vertraute
und nahe Beziehung zu Hund und Katze vorschnell abkühlen.
Für
die wirksame Lösung des Problems ist es allerdings gut, noch mehr
über ihn zu wissen.
Neben
seiner Sprungkraft ist es vor allem die unglaubliche Fortpflanzungsfähigkeit,
die den Floh zu einem wahren Überlebenskünstler macht.
Zunächst
lässt er seine Eier von unseren pelzigen Freunden in der ganzen Wohnung
verstreuen. Die einfachste Sache der Welt, denn die Eier sind nicht klebrig
und fallen daher wie aus einem Salzstreuer aus dem Fell.
Nach
etwa zehn Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven aus. Diese suchen sich
dann unter Sofas, Sesseln und Betten ein gemütliches, dunkles und
windstilles Plätzchen. Sie ernähren sich dabei vor allem von
Flohkot - verdautem Blut, der ebenfalls aus dem Fell von befallenen Tieren
fällt.
Und
dann dauert es nur noch etwa sieben Tage, bis der ausgewachsene Floh zum
Sprung auf sein nächstes Opfer bereit ist. In diesem Stadium, in seinem
Kokon nämlich, kann er sich allerdings viel Zeit lassen. Bis zu einem
Jahr kann er auf die passende Gelegenheit warten.
Er
reagiert dabei auf Wärme, Druck und Kohlendioxid aus der Ausatmungsluft
der anwesenden Wirtstiere. Wenn der Floh nun mit einem entschlossenen Sprung
auf den Hund gekommen ist - oder auf die Katze - , bleibt er ihm bzw. ihr
treu. Jetzt wird er sogar richtig fleissig, beginnt Blut zu saugen, paart
sich schon nach acht Stunden, und einen Tag später legt er bereits
seine ersten Eier. Bis zu 50 Eier pro Tag können es werden! Ein Flohweibchen
sorgt auf diese Weise für tausendfachen Nachwuchs, der anschliessend
von Hund und Katze in der Wohnung verstreut wird. Womit sich der Kreis
wieder schliesst.
Flöhe
haben das ganze Jahr Saison, wobei sie sich an warmen Sommer- und Herbsttagen
am wohlsten fühlen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die erwachsenen
Flöhe nur etwa einen Zwanzigstel der gesamten Population ausmachen.
Die Hälfte aber sind Eier und ein gutes Drittel sind Larven - ein
unerschöpfliches Reservoir.
Bleibt
die Frage: was tun?
Heute
gibt es unzählige Mittel, den Flöhen zu Leibe zu rücken.
Sie unterscheiden sich in der Anwendung und der Wirkung deutlich. Fast
alle der gängigen Mittel werden äusserlich angewendet. Dabei
handelt es sich um Halsbänder, Puder, Shampoos oder Flüssigkeiten
und Tinkturen oder Sprays, die auf die Haut oder das Fell aufgetragen werden.
Diese
Mittel töten den erwachsenen Floh, den Floh also, der als Parasit
auf dem Hund oder der Katze lebt. Aber dieser macht, wie bereits gesagt,
nur etwa 5% der Gesamtpopulation aus, welche die Wohnung besetzt hält.
Die verbleibenden 95% (Eier, Larven, Puppen) der Floh-Kommune entwickeln
sich in der Umgebung fröhlich weiter, bis sie als Flöhe schlüpfen.
Gegen
diesen stattlichen Rest können Raumsprays und Vernebler eingesetzt
werden.
Hunde
und Katzen jedoch bewegen sich meist frei in der ganzen Wohnung oder im
Haus. Wenn also die Umgebung behandelt werden will, darf man weder in der
Dosierung sparsam sein, noch darf eine Ecke ausgelassen werden. Wird eine
einzige Larve oder ein Ei nicht erfasst, war die ganze Mühe vergebens
je nach Langzeitwirkung des eingesetzten Mittels.
Darüber
hinaus kann die Entwicklung der Flohpopulation mit "Antibabypillen" für
Flohweibchen kontrolliert werden. Ein für unsere Haustiere völlig
harmloses Medikament wird mit Futter verabreicht, gelangt über die
Blutbahn zu den Flohweibchen. Diese produzieren Eier, in denen sich schlupfunfähige
Larven entwickeln. Damit ist eine weitere Vermehrung unterbrochen.
Die
Grundsatzfrage wird also lauten: soll ich warten, bis ich ein Flohproblem
in meinen vier Wänden habe, oder sollen wir uns davor schützen,
dass es je zu einem Flohproblem kommt? Denn die meisten unserer Haustiere
haben mit dem Floh gar kein so grossen Problem, jedoch kann in der näheren
Umgebung unserer Schützlinge eine wahre Plage entstehen, welche dann
nur mit grossem Aufwand bekämpft werden kann. Der grosse Aufwand schlägt
sich dann immer auch in den Kosten nieder.
Über
die effektivsten Strategien und die wirksamsten Mittel weiss ihr Kleintierarzt
Bescheid. Er hat auch das erforderliche Hintergrundwissen, um Tierhalter
umfassend zu beraten.
Fragen,
Bemerkungen an den Autoren Dr. Stephan Braun, Hinwil - Zürich
Mit
frdl. Genehmigung des Autoren

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