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Alte Tiere brauchen spezielle Pflege
Dr. Stephan Braun

Ernährungserkenntnisse, körperliche Aktivität und medizinischer Fortschritt kommen nicht nur dem Menschen zugute, sondern dienen auch dazu, das Leben von Haustieren zu verlängern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Medizinische Ratschläge, welche Tierärzte den Tierbesitzern von alternden Tieren anbieten gleichen den Vorsorgeprogrammen für Menschen - Gewichtskontrolle, körperliche Betätigung, regelmässige Untersuchungen zum frühzeitigen Aufspüren von altersbedingten Krankheiten. Die meisten Experten sind sich einig, dass Katzen und Hunde heute länger leben, jedoch herrscht Uneinigkeit darüber, um wieviele Jahre effektiv sich das Leben unserer Haustiere hat verlängern lassen.

Tierbesitzer stellen bei ihren älter werdenden Tieren verschiedene körperliche Anzeichen fest, darunter Gewichtszunahme, dünneres Fell mit einer zunehmenden Graufärbung, übler Mundgeruch, Verhaltensänderungen, Arthrose, Gehörverlust und Sehschwäche, Harnabsatz an unerwünschten Orten und andere.

Beschwerden, welche nicht so leicht zu beobachten sind, sind potentiell fatal, solange sie unentdeckt und unbehandelt bleiben. Krebsleiden oder Geschwulstkrankheiten sind die mit Abstand führende krankheitsbedingte Todesursache unserer Vierbeiner. Andere häufige Beschwerden bei alten Hunden und Katzen sind Nierenschwäche, Zahnprobleme und Herzerkrankungen.

Damit diese Probleme erfasst und rechtzeitig kontrolliert werden können, raten Kleintierärzte, auch und ganz besonders alte Tiere jährlich untersuchen zu lassen. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, ältere Tiere benötigen keine Impfungen mehr, besitzen Senioren nicht mehr gleich gut funktionierende Abwehrmechanismen wie ihre jüngeren Artgenossen. 

Wenn Hunde und Katzen einmal ein Alter von sieben Jahren erreicht haben, so ist es vorteilhaft, jährliche Untersuchungen mit einem speziellen Augenmerk auf die Alterungsprozesse und die Vorbeugung von Alterserkrankungen durchführen zu lassen. Bei diesen Untersuchungen wird der Tierarzt eine routinemässige klinische Untersuchung durchführen und vorsorgliche Laboruntersuchungen anordnen wie Zellzählungen aus dem Blut, ein blutchemisches Gesundheitsprofil und eine Harnuntersuchung.

Während medizinischer Fortschritt auch bei Tieren helfen kann, deren Leben zu verlängern, so sind dennoch die Pflege zu Hause und die Lebensführung der Schlüssel zu einer Steigerung der Lebensqualität und der Lebenserwartung. Tierärzte sind sich einig, dass eine aufmerksame Gewichtskontrolle der weitaus wichtigste Faktor für alternde Haustiere ist. Wenn Tiere älter werden, ändert sich ihr Stoffwechsel und sie neigen eher zur Gewichtszunahme. Diese Extrapfunde können zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen führen. So zu Herz- und Atembeschwerden, zu Zuckerkrankheit, zu Gelenkserkrankungen wie Arthrose, zu Bandscheibenvorfällen, zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionskrankheiten und ausserdem zu einem erhöhten Operations- und Narkoserisiko.

Ihr Kleintierarzt wird ihnen ein geeignetes Futter empfehlen können, welches den speziellen Anforderungen von alten Haustieren in optimaler Weise entspricht. Zudem kann- ebenso wie bei uns Menschen - eine regelmässige körperliche Betätigung helfen, die Tiere fit zu halten. Zusammen mit einer kalorienreduzierten Diät wird dies die Gewichtsreduktion unterstützen. Ältere Tiere benötigen allerdings eher eine regelmässige und moderate Bewegung als sporadische Hochleistungen wie bei der Begleitung von Radfahrern oder Inline Skatern!

Die Fellpflege-Gewohnheiten ändern sich ebenfalls mit dem Älterwerden. So werden Kleintierärzte empfehlen, Hunde-Senioren häufiger zu baden und dabei spezielle Shampoos zu verwenden. Hunde in ihrer Blütezeit z.B. sollen alle drei bis vier Wochen shamponiert werden, wohingegen Katzen je nach Fellänge und ­beschaffenheit ein tägliches Durchkämmen benötigen. Die Häufigkeit des Baderituals richtet sich selbstverständlich nach den klimatischen Bedingungen und dem Gesundheitszustand des Tieres.

Die Schlafstätten älterer Tiere sollten ebenfalls den Bedürfnissen angepasst werden; Hunde und Katzen, welche Arthrosen entwickeln, brauchen zum schlafen weiche Unterlagen und solche Tiere, welche bislang gewohnt waren, im Freien zu schlafen, sollten vermehrt die Möglichkeit erhalten, im Innern des Hauses oder an einem wärmeren Ort schlafen zu dürfen.

Regelmässige Zahnkontrollen und  -reinigungen werden für ältere Tiere immer wichtiger. Geeignete Zahnpflege während des ganzen Lebens ist für unsere Haustiere entscheidend, um Problemen vorzubeugen. Regelmässige Zahnsteinentfernungen und Polierbehandlungen wie auch therapeutische Eingriffe tragen wesentlich dazu bei, die Zähne unserer vierbeinigen Begleiter stark und gesund zu erhalten.

Während viele Probleme bei älteren Tieren nicht vermieden werden können, weil sie Teil des normalen Alterungsprozesses sind, so können Tierbesitzer, welche geeignete vorbeugende Massnahmen treffen, eine kluge Fütterung und genügend Bewegung anbieten, ihren Tieren die beste Chance für ein langes und gesundes Leben zur Verfügung stellen. Die Kleintierärzte bieten Ihnen das notwendige Wissen und Können und auch die entsprechende Infrastruktur an. Fragen Sie danach!

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Linth»

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