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Nur die Liebe zählt ­ nicht das Aussehen
Christine Krättli

Mein Sohn besitzt zwei Unzertrennliche. Es handelt sich dabei um besondere Vögelchen, um so genannte Agaporniden. Leider vertragen sich die beiden überhaupt nicht, so dass mein Sohn sie in getrennten Käfigen unterbringen musste. Wo liegt der Fehler in dieser «Beziehungskrise»?
C. R. Gommiswald

Vermutlich handelt es sich bei den beiden Vögeln nicht um ein Pärchen, sondern um zwei weibliche oder zwei männliche Exemplare, die aus Unkenntnis «verheiratet» worden sind. Wie kann so etwas passieren?

Vermutlich handelt es sich bei den beiden Vögeln nicht um ein Pärchen, sondern um zwei weibliche oder zwei männliche Exemplare, die aus Unkenntnis «verheiratet» worden sind. Wie kann so etwas passieren?
Der von den Agaporniden begeisterte Laie sucht sich beim Züchter oder in der Zoohandlung nicht selten zwei Vögel aus, die in Farbe und Muster besonders attraktiv sind, aber gar nicht zusammengehören. Wohl wäre der Verkäufer oder der Züchter verpflichtet gewesen, auf das besondere Verhalten der Agaporniden hinzuweisen. Man hätte hinweisen müssen, dass diese Papageienart in der Freiheit auf dem afrikanischen Kontinent und auf Madagaskar lebt. Dort bilden die Agaporniden grosse Schwärme, die aus ungezählten Paaren und ihren Jungvögeln bestehen. Die Bezeichnung «Unzertrennliche» weist darauf hin, dass die Agaporniden monogam leben und ihrem Partner lebenslänglich treu bleiben.

Nun mein Vorschlag zur Lösung des Problems: Suchen Sie einen Züchter, der bereit ist, Ihre beiden Agaporniden (und zwar im Käfig) einige Zeit in seine Voliere zu stellen und geduldig darauf zu warten, bis sich neue Bindungen anbahnen. Dann können Sie ein Pärchen ­ oder besser beide ­ wieder mit nach Hause nehmen. Selbstverständlich sollten sich dann alle vier im gleichen Käfig aufhalten können.

Keine der als Heimtiere gehaltenen Vogelarten leben unter natürlichen Bedingungen als Einzelgänger. Auch Papageien sind auf den dauernden Kontakt mit Artgenossen angewiesen. Werden Vögel einzeln gehalten, treten immer schwere Verhaltensstörungen auf wie Federrupfen und stereotype Bewegungen sowie lautes Schreien. Auch verkürzt sich in solchen Fällen die Lebenserwartung gravierend.

Einzelhaltung von Tieren, in unserem Falle von Vögeln, kann nie als tiergerecht bezeichnet werden. Denn diese Haltungsart überlässt den Vogel einem trostlosen und einsamen Schicksal. Denken Sie vor allem daran, dass Vögel zum Fliegen geboren sind und dass zu kleine Käfige, die leider immer noch im Handel angeboten werden, die Tiere in ihrer ureigensten Bewegungsart vollständig einschränken. Echte Tierfreunde schaffen sich nur dann Vögel an, wenn sie einen grossen Käfig oder eine Voliere artgerecht einrichten können.

Gute Informationen über die Haltung von Vögeln bietet die Broschüre «Vögel als Heimtiere» an,  erhältlich beim Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, 4008 Basel, Telefon 061 361 15 15, Fax 061 361 15 16. 

Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
 

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